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Kinder- und Jugendpolitik auf Gemeindeebene

In diesem Dossier werden Unterlagen für die Interessenvertretung bezüglich der Kinder- und Jugendpolitik auf  Gemeindeebene veröffentlicht.

Keine Sparmassnahmen!

Droht den Jugendhäusern in der Schweiz eine Welle von Schliessungen?

Keine Sparmassnahmen bei der Jugendförderung unter dem Deckmantel der Modernisierung!

Position des Dachverbandes Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ /AFAJ

September 2014

Mit grosser Besorgnis nimmt der Dachverband offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ/AFAJ zur Kenntnis, dass in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz Kommunen dabei sind, ihre Angebote an Offener Jugendarbeit, namentlich Jugendhäuser und –treffs, deutlich zu kürzen. Teilweise wird die ersatzlose Streichung angedroht. Der Trend betrifft sowohl kleinere Jugendtreffs in ländlichen Gemeinden wie auch grössere, zum Teil langjährig etablierte Einrichtungen in Städten.

Als Begründung wird dabei zumeist ins Feld geführt, die Angebote seine „nicht mehr zeitgemäss“. Dahinter versteckt sich in einigen Fällen aber nur allzu offensichtlich der Spardruck, der Gemeinden und Kantone zurzeit beschäftigt.

Der DOJ engagiert sich seit über zehn Jahren für die fachliche Entwicklung einer zeitgemässen Kinder- und Jugendförderung in den Gemeinden. Er vertritt über 650 lokale Einrichtungen in 19 Kantonen.

Im Namen dieser Einrichtungen hält der Dachverband fest:

  • Eine nahezu ersatzlose Schliessung von Jugendhäusern und –treffs als Sparübung auf dem Buckel der Jugend ist nicht akzeptabel.

  • Die Einführung „zeitgemässer“ Angebotsformen ist auf keinen Fall unbesehen gleichzusetzen mit „kostengünstiger als vorher“.

  • Inhaltliche Entwicklung darf kein Vorwand werden, Jugendlichen ihre Freizeitangebote kurzfristig ganz wegzunehmen.

Eine zeitgemässe Offene Kinder- und Jugendarbeit bietet Kindern und Jugendlichen – ergänzend zum formellen Bildungssystem - Erfahrungsräume für eigenständige Aktivität und unterstützt somit die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen und ihre Integration in die Gesellschaft. Dabei ist es zentral, dass die Aktivitäten und Angebote möglichst von den Kindern und Jugendlichen gestaltet werden können. Das heisst auch: Es braucht Möglichkeiten für ganz unterschiedliche Gruppen von Kindern und Jugendlichen.

Die Angebotspalette einer OKJA ist daher: bunt, beweglich, flexibel, vielfältig, einfach zugänglich und dort vorhanden, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten wollen und können. Weil sie von Kindern und Jugendlichen gestaltet werden, lässt sie Raum für Experimente und daher auch für Misserfolge, Konflikte, Leerzeiten – diese sind oft die wichtigsten Lernmomente, aus denen sich Neues entwickelt und wertvolle Erfahrungen für’s Leben entstehen.

Die vielfältige Palette einer zeitgemässen Jugendarbeit zu nutzen, benötigt ausreichende Infrastruktur, Räumlichkeiten und kompetentes Personal - erst recht.

Die Entwicklung einer „zeitgemässen“ Kinder- und Jugendarbeit muss als demokratisch gestützter Auftrag der kommunalen Politik erteilt werden. Es lohnt sich für die Gemeinden, eine qualifizierte und erfahrene Fachperson damit zu beauftragen, wie in anderen Bereichen auch. Umgestaltungen benötigen Zeit, da sie auch den Jugendlichen und ihrem Umfeld zuerst vermittelt werden müssen. Wenn es um Anstellungsverhältnisse und Subventionsverträge geht, muss den Kinder- und Jugendarbeitsstellen ausreichend Zeit gewährt werden für die Einführung neuer Angebote.

Kahlschläge bei der Kinder- und Jugendarbeit scheinen eine unkomplizierte Sparmassnahme zu sein. Sie lohnt sich nicht!

Eine wirklich zeitgemässe Jugendarbeit leistet zu viel, als dass darauf verzichtet werden könnte:

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  • Kinder- und Jugendarbeit fördert die Persönlichkeitsentwicklung, die Entwicklung von Handlungskompetenzen, und die gesellschaftliche Integration.
  • Jugendarbeit vermittelt zwischen den Generationen. Sie unterstützt die Kommunikation zwischen Jugendlichen und Gemeindebehörden und leistet damit einen Beitrag zur Prävention. Damit reduziert sie kurz- und langfristig Kosten, die durch plötzlich auftretende Konflikte oder eine schwierige Integration von Jugendlichen in die Gesellschaft auftreten.
  • Jugendarbeit unterstützt die Gestaltung eines attraktiven Lebensraums für alle Generationen. Sie schafft Identifikationsmöglichkeiten für die Jugendlichen und unterstützt ihre Mitwirkung im Gemeinwesen. Damit wird sie zum Standortvorteil für eine Gemeinde.
  • Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines umfassenden sozialen Netzwerks, das Kindern und Jugendlichen Halt gibt.
  • Sie unterstützt die Gemeinden dabei, neue Angebotsformen umzusetzen, wie zum Beispiel regionalisierte, mobile oder dezentrale Angebote.
  • Sie vermittelt Jugendlichen, Eltern und weiteren Erwachsenen Informationen und Unterstützung, damit diese selber aktiv werden und bleiben. 
  • Sie unterstützt Jugendliche Freiwillige. Damit erhalten diese die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, ihre Fähigkeiten zu erweitern und Selbstvertrauen zu entwickeln. Gleichzeitig wird das Jugendarbeits-Angebot grösser und bunter.
  • Jugendarbeit kann durch gute Vernetzung in der Region, im Kanton und schweizweit, neue Lösungen für aktuelle Jugendfragen in der Gemeinde finden. Abschaffungen oder Kürzungen verhindern Innovation, statt sie zu fördern.

 

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Seite erstellt am 30. September 2014